Fassadenbegrünung mit heimischen Wildpflanzen – die Kühlrippen der Stadt
Eine Fassadenbegrünung mit heimischen Wildpflanzen kann weit mehr als nur ein Gebäude begrünen. Die Pflanzen beschatten die Fassade, verdunsten Wasser und können dadurch zur Kühlung des Gebäudes und seiner Umgebung beitragen. Sie sind die Kühlrippen der Stadt. Gleichzeitig entstehen wertvolle Lebensräume und Nahrungsquellen für zahlreiche heimische Insekten.
- 50 % weniger heiße Tage über 25 °C
- 17 % weniger Tropennächte
- Bis zu 20 % weniger Kühlungsbedarf – das senkt den Stromverbrauch und damit auch die CO₂-Emissionen.
Gleichzeitig schafft eine begrünte Fassade einen „vertikalen Naturgarten“ und bietet Lebensraum und Nahrung für zahlreiche heimische Insekten.
Mit der richtigen Pflanzenauswahl kann eine Fassade sogar zu einem wertvollen Lebensraum für spezialisierte Arten werden. So dient beispielsweise Efeu der Efeu-Seidenbiene als wichtige Nahrungsquelle. Wildrosen locken zahlreiche heimische Insekten an, die ihre Blüten besuchen. Das Wald-Geißblatt bietet ebenfalls Nahrung für verschiedene Insekten. Seine duftenden Blüten werden in der Dämmerung unter anderem vom Nachtkerzenschwärmer besucht, der hier Nektar saugt.
So verbindet Fassadenbegrünung Klimaschutz, Energieeinsparung und Naturschutz – und schafft mitten in der Stadt ein Stück Natur. Die Fassaden werden zu grünen Kühlrippen und wertvollen Lebensräumen zugleich.det Fassadenbegrünung Klimaschutz, Energieeinsparung und Naturschutz – und schafft mitten in der Stadt ein Stück vertikalen Naturgarten.


Heimische Wildpflanzen für eine seilgestützte Fassadenbegrünung
Für eine Begrünung mit Seilen oder Rankhilfen, die mit etwas Abstand vor der Fassade angebracht werden, eignen sich verschiedene heimische Kletterpflanzen. Welche Art am besten geeignet ist, hängt unter anderem von Sonneneinstrahlung, Boden, Feuchtigkeit und der gewünschten Wuchshöhe ab. Die Auswahl heimischer Kletterpflanzen sollte zum Standort passen. Besonders sonnige Süd- und Südwestfassaden stellen hohe Anforderungen an Hitze- und Trockenheitsverträglichkeit. Entscheidend sind deshalb ein ausreichend großer Wurzelraum, eine gute Wasserversorgung in der Anwachsphase und möglichst eine Beschattung des Wurzelbereichs.
Eine Fassadenbegrünung auf der Südseite kann selbst dann funktionieren, wenn die Pflanze nicht extrem trockenheitsverträglich ist, sofern der Wurzelraum ausreichend groß und gut mit Wasser versorgt ist. Gerade im ersten und zweiten Jahr ist regelmäßiges Gießen entscheidend. Später können etablierte Pflanzen deutlich besser mit Trockenheit umgehen.
Eine interessante Kombination für eine Fassade
Durch die Kombination verschiedener heimischer Kletterpflanzen mit unterschiedlichen Wuchsformen, Kletterstrategien und einem abwechslungsreichen Blühaspekt entsteht eine attraktive und ökologisch wertvolle Fassadenbegrünung, die über einen möglichst langen Zeitraum Nahrung und Lebensraum für zahlreiche heimische Insekten bietet.
Seile 1–2: 🌿 Wald-Geißblatt
Seile 3–4: 🌿 Hopfen
Seile 5–6: 🌿 Waldrebe
bodennah/seitlich: 🌿 Zaun-Wicke oder Wald-Platterbse
separate Bereiche: 🌿 Efeu
Damit hätte man nicht einfach eine „grüne Wand“, sondern eine kleine vertikale Lebensgemeinschaft mit unterschiedlichen Blühzeiten und Strukturen.
| Wildpflanze | Kletterweise | Höhe | Südseite / Trockenheit | Ökologischer Wert | Besonderheiten |
|---|
| Wald-Geißblatt (Lonicera periclymenum) | Schlinger | 3–6 m | 🟢 gut | ⭐⭐⭐⭐⭐ | Duftende Blüten; wertvoll für Insekten, darunter Nachtfalter. Bei extremer Trockenheit zusätzlich wässern. |
| Waldrebe (Clematis vitalba) | Blattstielranker | 5–15 m | 🟢 gut* | ⭐⭐⭐⭐⭐ | Sehr wüchsig; Wurzelbereich sollte beschattet und möglichst frisch sein. |
| Efeu (Hedera helix) | Selbstklimmer | 10–20 m | 🟢 gut | ⭐⭐⭐⭐⭐ | Sehr wertvoll; späte Blüte im Herbst und Beeren für Vögel. Keine Seile erforderlich. |
| Zaunrübe (Bryonia dioica) | Ranker | 2–4 m | 🟢 gut | ⭐⭐⭐⭐ | Für sonnige Standorte geeignet; benötigt eine Rankhilfe. |
| Wald-Platterbse (Lathyrus sylvestris) | Ranker | 1–2 m | 🟢 gut | ⭐⭐⭐⭐ | Für sonnige, eher trockene Standorte; benötigt eine Rankhilfe. |
| Vogel-Wicke (Vicia cracca) | Ranker | 1–2 m | 🟢 gut | ⭐⭐⭐⭐ | Heimische Wildpflanze; attraktive Blüten für zahlreiche Insekten. |
| Hopfen (Humulus lupulus) | Schlinger | 4–8 m | 🟡 mittel | ⭐⭐⭐⭐ | Extrem schnellwüchsig; bei längerer Trockenheit zusätzlich wässern. |
| Zaun-Wicke (Vicia sepium) | Ranker | 1–2 m | 🟡 mittel | ⭐⭐⭐⭐ | Bevorzugt eher frischere Standorte. |
| Hundsrose (Rosa canina) | Spreizklimmer | 2–3 m, mit Rankhilfe höher | 🟢 gut | ⭐⭐⭐⭐⭐ | Wertvolle Blüten für Insekten und Hagebutten für Vögel. Triebe an Seilen führen und anbinden. |
| Weinrose (Rosa rubiginosa) | Spreizklimmer | 2–3 m | 🟢 sehr gut | ⭐⭐⭐⭐⭐ | Besonders für sonnige, trockene Standorte. Duftende Blätter, Blüten und Hagebutten. Führung und Anbindung nötig. |
| Heckenrose (Rosa corymbifera) | Spreizklimmer | 2–3 m | 🟢 gut | ⭐⭐⭐⭐⭐ | Heimische Wildrose mit wertvollen Blüten und Hagebutten. Für Seilsysteme geeignet; Triebe anbinden. |

🌿 Wald-Geißblatt (Lonicera periclymenum)
Das Wald-Geißblatt ist ein heimischer Schlinger, der sich hervorragend an senkrechten Seilen emporwindet. Seine auffälligen, duftenden Blüten sind eine wichtige Nahrungsquelle für verschiedene Insekten. Die Pflanze eignet sich besonders für eine naturnahe Fassadenbegrünung und kann mehrere Meter hoch wachsen. An sehr heißen und trockenen Südseiten sollte auf einen ausreichend großen und gut mit Wasser versorgten Wurzelraum geachtet werden.

🌿 Waldrebe (Clematis vitalba)
Die heimische Waldrebe ist eine ausgesprochen wuchsfreudige Kletterpflanze. Mit ihren Blattstielen kann sie sich an Seilen und anderen Rankhilfen festhalten und mehrere Meter in die Höhe wachsen. Sie eignet sich auch für sonnige Fassaden. Wichtig ist dabei der Standort des Wurzelbereichs: Die Waldrebe bevorzugt einen eher kühlen und beschatteten Fuß, während die Triebe durchaus in der Sonne wachsen können.
🌿 Efeu (Hedera helix)
Efeu ist eine der ökologisch wertvollsten heimischen Kletterpflanzen. Er bietet mit seinen immergrünen Blättern ganzjährig Schutz und Lebensraum. Besonders wertvoll ist seine späte Blüte im Herbst, wenn viele andere Pflanzen bereits verblüht sind und Insekten nur noch wenige Nahrungsquellen finden. Efeu kann auch an Kletterhilfen geführt werden, benötigt diese aber nicht unbedingt, da er selbstständig klettern kann. Einmal etabliert, kommt er auch mit relativ trockenen Standorten zurecht.
🌿 Zaunrübe (Bryonia dioica)
Die Zaunrübe ist eine weniger bekannte, aber interessante heimische Kletterpflanze. Mit ihren Ranken kann sie sich an Seilen und Gittern emporarbeiten und eignet sich auch für sonnige und eher trockene Standorte. Ihre Blüten und Früchte machen sie zudem zu einem Bestandteil einer vielfältigen Fassadenbegrünung.

🌿 Wald-Platterbse (Lathyrus sylvestris)
Die Wald-Platterbse gehört zu den heimischen Schmetterlingsblütlern und kann mit ihren Ranken an einer Kletterhilfe emporklettern. Sie eignet sich für sonnige Standorte und kommt mit eher trockenen Bedingungen zurecht. Durch ihre Blüten bereichert sie eine Fassadenbegrünung zusätzlich als Nahrungsangebot für Insekten.

🌿 Vogel-Wicke (Vicia cracca)
Die Vogel-Wicke ist eine heimische Rankpflanze, die mit ihren Ranken an geeigneten Seilen oder Gittern Halt findet. Sie bevorzugt sonnige Standorte und kann auch mit zeitweise trockeneren Bedingungen zurechtkommen. Ihre violett-blauen Blüten sind eine attraktive Ergänzung für eine naturnahe Begrünung.
🌿 Hopfen (Humulus lupulus)
Hopfen ist ein sehr schnell wachsender heimischer Schlinger und kann innerhalb kurzer Zeit größere Bereiche begrünen. An senkrechten Seilen findet er leicht Halt und kann mehrere Meter hoch wachsen. Für eine schnelle Begrünung ist er deshalb besonders interessant. Allerdings benötigt Hopfen bei längeren Trockenperioden ausreichend Wasser. Im Herbst zieht er sich zurück und treibt im nächsten Frühjahr wieder aus.
🌿 Zaun-Wicke (Vicia sepium)
Die Zaun-Wicke ist ebenfalls eine heimische Rankpflanze. Sie eignet sich für Seile und andere Kletterhilfen und bereichert die Fassadenbegrünung mit ihren Blüten. Im Vergleich zu besonders trockenheitsverträglichen Arten bevorzugt sie eher etwas frischere Standorte.
🌹 Weinrose (Rosa rubiginosa)
Die Weinrose ist eine heimische Wildrose und eignet sich als Spreizklimmer auch für eine Begrünung an Seilen oder Rankgittern. Ihre langen, bogig wachsenden Triebe können an der Rankhilfe geführt und befestigt werden. Sie liebt sonnige Standorte und kommt auch mit eher trockenen Böden gut zurecht. Ihre zartrosa Blüten bieten Nahrung für zahlreiche Insekten, während die später gebildeten Hagebutten Vögeln als Nahrung dienen. Besonders charakteristisch sind ihre nach Wein oder Apfel duftenden Blätter. Für eine naturnahe Fassadenbegrünung ist sie deshalb eine interessante Kombination aus Blüten, Früchten und Struktur.
Aber Achtung: Wildrosen schlingen sich nicht selbst um die Seile. Ihre langen Triebe müssen an der Rankhilfe befestigt werden. Bei der Planung sollte außerdem ausreichend Platz für ihre Breite und die Bestachelung berücksichtigt werden.
Besonders für sonnige Südseiten
Süd- und Südwestfassaden sind für Pflanzen besonders anspruchsvoll. Die direkte Sonneneinstrahlung kann die Blätter stark aufheizen und der Boden am Fuß der Fassade kann im Sommer schnell austrocknen.
Für solche Standorte sind insbesondere Zaunrübe, Wald-Platterbse, Vogel-Wicke und etablierter Efeu interessant. Auch Wald-Geißblatt und Waldrebe können eingesetzt werden, wenn ausreichend Wurzelraum und eine gute Wasserversorgung – insbesondere während der Anwachsphase – gewährleistet sind.
Bei allen Pflanzen gilt: Je größer der verfügbare Wurzelraum, desto besser können sie Hitze und Trockenperioden überstehen. Eine Beschattung des Bodens durch niedrige heimischen Wildpflanzen kann zusätzlich helfen, die Feuchtigkeit im Wurzelbereich zu halten und erhöht gleichzeitig die Biologische Vielfallt.
So kann aus einer Fassade mehr entstehen als eine begrünte Gebäudewand: eine vertikale Lebensgemeinschaft, die Gebäude beschattet, Wasser verdunstet, das Stadtklima verbessert und gleichzeitig Nahrung und Lebensraum für heimische Tiere schafft.
Fassade → Abstandshalter → Edelstahlseile → Kletterpflanze → Bodenanker
Seile geben heimischen Kletterpflanzen Halt
Mit Rankseilen können Kletterpflanzen gezielt an der Fassade emporwachsen. Zwischen Pflanze und Wand bleibt dabei ein Abstand. So entsteht eine lebendige grüne Fassade, ohne dass die Pflanzen unmittelbar an der Gebäudewand haften müssen.



Was kostet eine Fassadenbegrünung?“
💶 Beispielrechnung: 10 m × 9 m Fassadenbegrünung (3 Stockwerke)
| Position | angenommene Menge | ca. Kosten |
|---|---|---|
| Edelstahlseil 3 mm | ca. 190 m | ca. 100–150 € |
| Wandhalter/Abstandshalter | ca. 105–110 Stück | ca. 600–750 € |
| Spannschlösser, Kauschen, Seilklemmen etc. | für 21 Seile | ca. 150–250 € |
| Dübel/Befestigungsmaterial | ca. 105–110 Stück | ca. 100–200 € |
| Material Rankseilsystem | ca. 950–1.350 € | |
| Montage | abhängig von Fassade und Zugang | ca. 1.000–2.000 € |
| Rankseilsystem komplett | ca. 2.000–3.350 € |
🌱 Pflanzen kommen noch dazu
Bei beispielsweise 15–20 Pflanzen (Geißblatt, Wildrosen, Waldrebe usw.) würde ich zusätzlich grob 150–400 € für Pflanzen und Pflanzung ansetzen.
Damit läge ein solches Beispiel insgesamt ungefähr bei:
➡️ 2.150–3.750 € für 10 × 9 m Fassadenfläche
Vorschlag für die 10 × 9 m-Fassade

„Insekten-Bodendecke“
ca. 60 % niedrig wachsende Arten + 40 % blühende Stauden, sodass der Boden weitgehend bedeckt bleibt, aber von Frühjahr bis Herbst immer wieder etwas blüht. Damit hast du gleichzeitig Bodenschutz, Blütenangebot, Struktur und Nahrung für zahlreiche Insekten.
Sonniger Bereich:
- Blutroter Storchschnabel
- Dost
- Kleine Braunelle
- Wilde Erdbeere
Halbschattiger Bereich:
- Kriechender Günsel
- Gundermann
- Kleine Braunelle
- Wald-Ehrenpreis
Schattiger Bereich, z. B. unter Efeu:
- Waldmeister
- Goldnessel
- Gundermann
- Wilde Erdbeere
Viel Freude bei der Begrünung Ihrer Fassade – schaffen Sie damit einen kühlen Rückzugsort für Menschen und zugleich neuen Lebensraum für unsere heimische Tier- und Pflanzenwelt!
Bezugsquellen heimischer Wildpflanzen:
